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Geschichte
Gründung und rascher Aufstieg
Im November 1901 wurde die katholische Jünglingssodalität „Dreifaltigkeit“ im Dortmunder Nordosten gegründet. Die Mitglieder waren zum großen Teil junge Stahlarbeiter und Bergleute und betätigten sich zunächst sportlich
beim Turnen und in der Leichtathletik. Aber spätestens seit 1906 wurde auf der Weißen Wiese auch regelmäßig Fußball gespielt. Im selben Jahr wurde Kaplan Hubert Dewald Vorsitzender der Jünglingssodalität und setzt sich energisch gegen das „rohe“ und „wilde
Treiben“ ein. So setzte er sonntags nachmittags eine zusätzlichen Andacht an, um das Fußballspielen zu unterbinden und
verlangte von den Fußballern ihre Treffen nicht mehr im Wirtshaus „Zum Wildschütz“, sondern im Pius-Gemeindehaus
abzuhalten.
Daraufhin trafen sich am vierten Advent, dem 19. Dezember 1909, über 40 Mitglieder der Sodalität in einem Nebenraum des Wildschütz in der Österholzstraße (unweit des Borsigplatzes), um über die Gründung eines von der Kirche unabhängigen Vereins zu beraten. Kaplan Dewald erfuhr von diesem Treffen und
versuchte die Gründung des Vereins zu verhindern. Ihm wurde aber gewaltsam der Zutritt verweigert. Ausgrund der Geschehnisse
verließ eine ganze Reihe der Versammlungsmitglieder die Gaststätte, so dass nur 18 Vereinsgründer Franz und Paul Braun, Heinrich
Cleve, Hans Debest, Paul Dziendzielle, Franz, Julius und Wilhelm Jacobi, Hans Kahn, Gustav Müller, Franz Risse, Fritz Schulte, Hans Siebold, August Tönnesmann, Heinrich
und Robert Unger, Fritz Weber sowie Franz Wendt übrig bleiben.
Da die Gründung spontan und unvorbereitet ablief, gab es vor Beginn der Versammlung keine Namensvorschläge. Einer Anekdote
zufolge wurde der Zusatz „Borussia“ gewählt, weil es sich um den Namen des im Wildschütz ausgeschenkten Bieres der Borussia-Brauerei handelte, die unweit des Borsigplatzes ihren Sitz hatte (heute Standort der Dortmunder Actien-Brauerei). Die Namenswahl ist daher wohl nicht als bewusster Ausdruck eines Nationalstolzes zu verstehen (Borussia ist die
latinisierte Bezeichnung für Preußen).
Nachdem Kaplan Dewald die Borussia-Mitglieder in der Messe am Heiligen Abend der Spaltung der Dreifaltigkeitsgemeinde bezichtigte und sie aus der Sodalität ausschloss, verließen einige der Gründungsmitglieder
den Verein wieder, der Verein blieb aber bestehen. Der erste Vorsitzende des Vereins wurde Heinrich Unger, der bereits Mitte
1910 von diesem Amt zurücktrat. Nach einem sechswöchigen Intermezzo von Franz Risse folgte ihm Franz Jacobi, der den Verein
bis 1923 leitete. Neun der 18 Vereinsgründer erlebten das zehnjährige Jubiläum des BVB nicht, da sie im Ersten Weltkrieg starben.
Am 19. Juni 1910 wurde die Leichtathletikabteilung von Borussia Dortmund in den Westdeutschen Spielverband (WSV) aufgenommen. Am 3. Dezember folgte ihr die Fußballabteilung. Das erste reguläre Spiel fand am 15. Januar 1911 gegen den VfB Dortmund statt und wurde 9:3 gewonnen. Die offizielle Spielkleidung bestand zu diesem Zeitpunkt aus einem blau-weiß
gestreiften Hemd mit einer roten Schärpe und schwarzer Hose. Das erste Meisterschaftsspiel bestritt die Borussia am 10. September
1911 in Castrop-Rauxel gegen die Fußballmannschaft Spielabteilung des Turnerbundes Rauxel und wurde ebenfalls, diesmal mit 1:0, gewonnen.
Der Verein startete in der untersten Spielklasse (C-Klasse), belegte dort aber sofort den ersten Platz und stieg somit in die B-Klasse auf, wo man in der Saison 1911/12 den dritten Platz erreichte. Da zu diesem Zeitpunkt der WSV einen Aufnahmestopp verhängte,
schlossen sich die Vereine Rhenania, Britannia und Deutsche Flagge der Borussia an. Aus diesem Grund
wechselte der BVB am 14. Februar 1913 die Vereinsfarben. Das Hemd war nun zitronengelb mit einem schwarzen „B“ darauf. In der Saison 1913/14 stieg
Borussia Dortmund erstmals in der Vereinsgeschichte in die damals höchste Spielklasse, die A-Klasse auf. Da die Saison 1914/15 wegen des Ersten Weltkriegs abgebrochen werden musste, konnte die Borussia ihre Erfolge zunächst
nicht fortsetzen. Es fanden aber Freundschaftsspiele zugunsten des Roten Kreuzes statt.
Entwicklung während der Weimarer Republik
Nach Kriegsende trug sich Borussia Dortmund 1919 in das Vereinsregister ein. Sportlich spielte der Verein in der Saison 1918/19 wieder in der obersten Klasse, war aber nach Einführung einer neuen
obersten Klasse, der Bezirksklasse, ab der folgenden Spielzeit nur noch zweitklassig.
Im Jahre 1923 trat Franz Jacobi als Vorsitzender des Vereins zurück, sein Nachfolger wurde Heinz Schwaben. Ein Jahr später wurde die Weiße Wiese, der damalige Austragungsort der Fußballspiele, zu einem Stadion für 18.000 Besucher ausgebaut und und in Borussia-Sportpark
umbenannt.
Im Jahr 1926 gewann der BVB die Vizemeisterschaft in der 2. Bezirksklasse und stieg damit erneut in die höchste Spielklasse
auf. Man konnte sich jedoch nicht lange dort halten und musste nach dem verlorenen Entscheidungsspiel gegen den SV Langendreer 04 (1:3 nach Verlängerung) nach der folgenden Saison wieder zurück in die Zweitklassigkeit.
Der BVB in der Zeit des Nationalsozialismus
Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde in den 1930er Jahren als oberste Spielklasse die Gauliga eingeführt. Sportlich hatte der BVB nun seine bisher erfolgreichste Zeit. In der Saison 1935/36 stieg man in die Gauliga
Westfalen auf und war wieder erstklassig. Gleichzeitig wurde der erste professionelle Trainer der Borussen angestellt, Fritz Thelen. Borussia Dortmund entwickelte sich zu einer der besten Fußballmannschaften Deutschlands, was besonders durch den ersten
Nationalspieler der Borussen, August Lenz, möglich wurde.
Für den Bau des Hoeschparks durch den Reichsarbeitsdienst wurde dem BVB das Stadion Weiße Wiese und das zugehörige Vereinsgelände von der Stadt Dortmund entschädigungslos enteignet. Daher musste der Verein im Jahr 1937 in die Kampfbahn Rote Erde im bürgerlichen Süden Dortmunds umziehen.
Im Tschammerpokal, dem Vorläufer des DFB-Pokals, erreichte man 1937 das Viertelfinale und unterlag Waldhof Mannheim nur knapp mit 3:4. In den darauf folgenden Jahren wurde der BVB zudem mehrmals Vizemeister (1938 und 1942) der Gauliga, die A-Jugend des BVB gewann in 1939 die Westfalenmeisterschaft und die westdeutsche Meisterschaft.
1940 bis 1950 - Schwere Zeiten und erfolgreicher Neubeginn
Der Gewinn der Vizemeisterschaft 1942 läutete ein sportlich relativ erfolgreiches Jahrzehnt für Borussia Dortmund ein, das allerdings vom 2. Weltkrieg und der Diktatur des 3. Reich weiterhin überschattet wurde. Die durch Sozialdemokraten, Kommunisten und polnische Zuwanderer geprägte Dortmunder Nordstadt war eine Hochburg der Antifaschisten in Dortmund. Dies fand auch seinen Widerhall in dem tief in diesem Viertel verwurzelten BVB. So waren eine Reihe aktiver Vereinsmitglieder
im Widerstand gegen die Nationalsozialisten tätig und nutzten dabei auch die Infrastruktur des Vereins, beispielsweise die Druckmaschinen zur Vervielfältigung von Flugblättern.
Diesen mutigen Einsatz bezahlten eine Reihe dieser aktiven Borussen mit ihrem Leben, unter anderem Heinrich Czerkus - Vereinswart des Stadions und der Vereinsanlagen bis zu deren Enteignung - oder Franz Hippler - Vorsitzender der Handballabteilung des Vereins. Beide wurden noch am Karfreitag 1945 von der Gestapo ermordet, ihrer wird seitdem jedes Jahr am Mahnmal in der Bittermark gedacht.
Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau des Vereins. Durch den Verlust vieler Spieler wurden viele Vereine in Deutschland praktisch zerstört. Auch der BVB musste sich aus den Wirren der damaligen Zeit befreien und zunächst eine Wiederzulassung
erwirken. Doch bereits im August 1945 wurde auf der Roten Erde wieder Fußball gespielt.
Einer der wichtigsten Erfolge für Borussia Dortmund in den 40er Jahren war der Gewinn der Westfalenmeisterschaft 1947 gegen den FC Schalke 04, den man sich im Endspiel in Herne mit 3:2 sicherte. Dieser Sieg ging als die Wende im Westen in die Fußball-Geschichte des Ruhrgebietes und Westdeutschlands ein, da jahrzehntelang der Verein Schalke den Fußballsport im Revier beherrschte und der BVB nach diesem
historischen Sieg fortan die Führung im Ruhrgebiets- und westdeutschen Fußball übernahm. Aber auch die Meisterschaften in
den Spielzeiten 1947/48 und 1948/49 in der neuen Oberliga West waren wichtige Ereignisse in der Vereinsgeschichte. Im Jahre 1949 stand der BVB erstmals im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den VfR Mannheim, das jedoch mit 3:2 nach Verlängerung verloren ging.
1950 bis 1960 - Zwei Mal Deutscher Meister
Nachdem man sich 1949/50 zum dritten Mal in Folge die Westmeisterschaft gesichert hatte, traf die Borussia im Achtelfinale
um die Deutsche Meisterschaft erneut auf den VfR Mannheim. Dieses Spiel verlor der BVB jedoch wieder, diesmal mit 1:3. Der
Erfolg der 40er Jahre setzte sich dennoch in den 50er Jahren fort. In der Saison 1952/53 gelang der Gewinn des vierten Titels
in der Oberliga West.
Im Jahr 1954 fand in der Schweiz die Fußballweltmeisterschaft statt. Die deutsche Nationalmannschaft, zu der auch der BVB-Torwart Heinrich Kwiatkowski zählte, holte sich überraschend den Titel.
Bei Borussia Dortmund wurde die Saison 1955/56 zur bis dato erfolgreichsten in der Vereinsgeschichte. Man gewann die fünfte
Westmeisterschaft, auf die der erneute Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft folgte. Der BVB besiegte im Berliner
Olympiastadion vor 75.000 Zuschauern der Favoritenrolle gerecht und bezwang den Karlsruher SC nach Toren von Niepieklo, Kelbassa, Preißler und Peters mit 4:2 und wurde zum ersten Mal Deutscher Meister. 250.000 begeisterte Fans empfingen die Mannschaft in Dortmund.
Hierdurch qualifizierte sich der BVB für den erstmals ausgetragenen Europapokal der Landesmeister.
Nach der erst im Entscheidungspiel gewonnenen ersten Runde gegen Spora Luxemburg schied die Borussia nach einem 2:3 in Manchester und einem 0:0 vor 45.000 Zuschauern in der Roten Erde gegen Manchester United aus. Dennoch verteidigte Borussia Dortmund mit der gleichen Aufstellung wie im Vorjahr (Kwiatkowski, Burgsmüller, Sandmann, Schlebrowski, Michallek, Bracht, Peters, Preißler, Kelbassa, Niepieklo, Kapitulski), von Trainer Helmut Schneider auf das Feld geschickt, die Deutsche Meisterschaft mit einem 4:1 (Kelbassa/2, Niepieklo/2)) im Endspiel im hannoverschen Niedersachsenstadion vor 82.000 gegen den Hamburger SV, nachdem man sich die bis dato sechste Westmeisterschaft gesichert hatte. Der HSV war zu keiner Zeit dem BVB ebenbürtig und
das 4:1 gibt nicht einmal die wahre Überlegenheit wieder. Trainer Schneider verzichtete auf den jungen Nationalspieler Aki Schmidt, weil er die Vorjahresmeisterelf nicht verändern wollte.
Nie wieder sollte eine deutsche Mannschaft mit der selben Mannschaft Deutscher Meister werden. Geprägt waren diese beiden
Jahre von den „Drei Alfredos“. So wurden Alfred Preißler, Alfred Kelbassa und Alfred Niepieklo genannt. Sie erzielten mit verwirrendem Kombinationen zusammen sieben der acht Endspieltore 1956 und 1957, sowie 29 der 34
Endrundentore der Borussia.
Als Meister qualifiziert schied man 1957 im Europapokal erneut in der 2. Runde aus, diesmal nach einem 1:1 in Dortmund
und einem 1:4 beim AC Mailand. Nach diesen Meisterschaften erreichte die Borussia 1958 und 1959 nur noch zwei fünfte Plätze bei den Westmeisterschaften,
die Mannschaft war mittlerweile überaltet.
1960 bis 1970 - Bundesliga und Europapokal
Stütze in den 60ern:
Hans Tilkowski
1961 verlor man in Hannover das Finale um die deutsche Meisterschaft unter Trainer Max Merkel gegen den 1. FC Nürnberg mit 0:3. Die junge Dortmunder Mannschaft war ohne Chance. Merkel verließ daraufhin den BVB, und Borussia sicherte sich die
Dienste des eher sachlichen Trainers Hermann Eppenhoff, der als Spieler drei Mal deutscher Meister mit dem Revierrivalen Schalke gewesen war. 1962 wurde man mit dieser im Umbruch befindlichen Mannschaft nur Achter der Oberliga West.
In der letzten Saison vor der Einführung der Bundesliga wurde man 1963 hinter dem Meisterschaftsfavoriten 1. FC Köln Zweiter der Oberliga West und qualifizierte sich so für die Endrunde der deutschen Meisterschaft. Hier belegte man mit 9:3
Punkten den ersten Platz vor 1860 München, Borussia Neunkirchen und dem Hamburger SV, so dass man ins Endspiel gegen den 1. FC Köln einzog. Das Endspiel in Stuttgart gewann der BVB mit 3:1 durch Tore von Kurrat, Wosab und Schmidt gegen den 1. FC Köln vor 78.000 Zuschauern. Den DFB-Pokal konnte man trotz des erstmaligen Erreichens des Finales nicht gewinnen. Im Endspiel verlor man in Hannover gegen den Dauerrivalen
HSV mit 0:3.
Borussia Dortmund beendete die Ära der Oberliga West als erfolgreichster Verein in der gesamten Geschichte dieser
Klasse.
Beim der Start der neuen Fußball-Bundesliga in der Saison 1963/64, deren Gründungsmitglied der BVB als amtierender deutsche Meister war, gehörte die Borussia zu den Favoriten auf den Titel.
Am Ende reichte es aber nur zu einem vierten Platz. Im Europapokal der Landesmeister gelangte der BVB bis ins Halbfinale, wo man Inter Mailand, dem späteren Cup-Sieger, unterlag. Zuvor schlug man den Favoriten Benfica Lissabon um den Stürmerstar Eusebio im Viertelfinale mit 5:0. Eusebio wurde vom Trainer Lajosw Czeisler siegessicher nicht aufgestellt. Czeisler meinte anerkennend nach dem Spiel, dass er zwar der Verlierer sei, aber sich glücklich
schätze, diesen tollen Fußball gesehen zu haben.
1964/65 wurden die Borussen Dritter in der Bundesliga und erzielten im denkwürdigsten Spiel der Saison ein 6:2 gegen den Rivalen
FC Schalke 04, nachdem man bereits 6:0 zur Pause geführt hatte. Die Schalker wurden Tabellenletzter und entgingen dem Abstieg nur durch
eine Aufstockung der Bundesliga auf 18 Vereine. Im selben Jahr erreichte man zudem nach Siegen gegen Preußen Münster, Tennis Borussia Berlin, Eintracht Braunschweig und den 1. FC Nürnberg zum zweiten Mal das Finale des DFB-Pokals und schlug, erneut in Hannover, nach Toren von Aki Schmidt und Lothar Emmerich Alemannia Aachen mit 2:0. Im Messepokal schied man bereits in der zweiten Runde gegen Manchester United mit 1:6 und 0:4 aus. Gegen die mit späteren Weltmeistern gespickte Mannschaft um Bobby Charlton und George Best hatte der BVB keine Chance. 1965 wurde zudem mit Hans Tilkowski zum ersten Mal ein Borusse zum Spieler des Jahres gewählt.
In der Bundesliga reichte es 1966 wegen der Doppelbelastung durch die Spiele im Europapokal nur zur Vizemeisterschaft,
vor allem zum Ende der Saison musste das Team dem Kräfteverschleiß Tribut zollen. Dafür konnte der Club seinen bis dahin größten
Erfolg feiern, als man im Europapokal der Pokalsieger zum ersten deutsche Europapokalsieger überhaupt wurde. Nach Spielen gegen Floriana La Valetta und CSKA Sofia erwartete die Borussia in der dritten Runde die Mannschaft von Atletico Madrid, die in den Jahren zuvor Werder Bremen und den 1. FC Nürnberg ausgeschaltet hatte. Nach einem spannenden 1:1 in Madrid gewann die Borussia im Rückspiel durch ein Tor von Lothar Emmerich mit 1:0. Beim seinem zweiten Einzug in ein Halbfinale des Europapokals nach 1963/64 traf der BVB auf den Titelverteidiger
West Ham United mit dem britischen Nationalheld Bobby Moore. In London siegte Borussia mit 2:1 durch Tore von Held und Emmerich. In der Roten Erde wurden die Londoner im Rückspiel mit 3:1 besiegt, Emmerich erzielte zwei Tore, Cyliax eines. Die Borussia stand somit als dritter deutscher Verein im Endspiel eines Europapokals. Dort traf sie in Glasgow auf den FC Liverpool, der Celtic Glasgow im zweiten Halbfinale schlagen konnte. Im Endspiel im Hampden Park siegte die Borussia in einem spannenden Spiel trotz Feldvorteilen der Engländer nach Verlängerung mit 2:1. Die Führung von
Held glich Hunt unmittelbar aus. In der 106. Minute war es Stan Libuda vorbehalten, mit einem kuriosen Tor die Entscheidung herbeizuführen. Libuda schoss aus 30 Metern in hohem Bogen über Torwart
Lawrence den Ball an die Querlatte. Von dort prallte der Ball gegen den Körper des Keepers und danach ins Tor. Dieser erste Sieg einer
Deutschen Mannschaft im Europapokal wurde in Dortmund am folgenden Tag mit einem Autokorso durch die Innenstadt begeistert gefeiert. Das Team wurde zudem zur Mannschaft des Jahres gewählt.
Als Titelverteidiger automatisch qualifiziert ging es in der neuen Saison in der ersten Runde des Europapokals erneut nach Glasgow gegen die Rangers. Dort verlor man mit 1:2. Im Rückspiel in der Roten Erde gelang es den Borussen nicht, vor 40.000 Zuschauern ein Tor zu schießen,
so dass man nach dem 0:0 ausschied. In der Bundesliga wurde man nur Dritter.
Anschließend begann der allmähliche Niedergang, als man 1968 Tabellenvierzehnter und 1969 gar nur Sechzehnter wurde und
den Abstieg erst am letzten Spieltag in der Roten Erde mit einem 3:0 gegen Kickers Offenbach verhindern konnte. Die sportliche Schwäche der Borussia hatte seine Ursache vor allem im aufgrund von Finanzengpässen nötigen
Ausverkauf der Mannschaft, ohne dass gleichwertiger Ersatz verpflichtet werden konnte. So wurde z.B. Lothar Emmerich gegen seinen ausdrücklichen Willen („Ich bin doch Dortmunder Junge!“) 1969 für 175.000 DM nach Belgien zu AC Beerschot Antwerpen transferiert. Ein weiterer Grund waren viele Trainerwechsel.
1970 bis 1980 - Abstieg, neues Stadion, Wiederaufstieg
Nach Jahrzehnten stetigen Erfolgs bedeuteten die 1970er-Jahre zunächst das Ende der Bundesligazugehörigkeit.
Nach einem zwischenzeitlich Hoch in der Saison 1969/70, als man überraschend Dritter wurde, begann ein Jahr später der große Ausverkauf. Zunächst beendete 1970 Wolfgang Paul, langjähriger Kapität der Mannschaft, seine Karriere. Ein Jahr später wurden die Leistungsträger Wosab, Neuberger, Weist
und vor allem Held aus finanziellen Gründen verkauft. Es folgte 1972, nach einem 17. Platz und nur 20 Punkten, 36 Jahre nach dem Aufstieg in die höchste Spielklasse, der Abstieg in die Regionalliga West.
In den ersten drei Jahren der Zweitklassigkeit wurde die Borussia Vierter und zweimal Sechster und qualifizierte sich somit
nicht für den Aufstieg oder für Relegationsspiele um den Aufstieg in die 1. Bundesliga.
Im Jahr 1974, als in Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft stattfand, bekam Dortmund ein neues Stadion, das Westfalenstadion. Im Laufe der Jahre wurde es immer weiter ausgebaut und so das Fassungsvermögen deutlich erhöht. Damals lag der Verein jedoch
nicht nur sportlich, sondern auch finanziell am Boden. Es wurden die Gehälter der Spieler gekürzt. Die Stadt übernahm Bürgschaften
und Hoesch stellte dem Verein neben Geld auch die Trainingsplätze am Hoeschpark und den medizinischen Apparat zur Verfügung. Aus Dank zierte das BVB-Trikot auf dem Rücken der Schriftzug „Dortmund“
und auf der Brust ein Kreis mit dem dem Dortmunder Fernsehturm, Blumen und einem Fußball. Der Schriftzug „Dortmund“ ist bis heute geblieben.
Der Zweitklassigkeit entkam man in der Saison 1975/76, dank des zweiten Platz in der Abschlusstabelle und zweier Erfolge in den Entscheidungsspielen um den Aufstieg gegen die
Mannschaft des 1. FC Nürnberg. Kurioserweise entließ man vor den Aufstiegsspielen den Trainer Horst Butz, der in der Saison Otto Knefler abgelöst hatte, weil dieser bereits mit dem Relegationskonkurrenten Nürnberg für die neue Saison einig war. Der Vorstand
wollte mit dieser Maßnahme verhindern, dass der Aufstieg in Gefahr geriet. Neuer Trainer wurde Otto Rehhagel.
Vor der neuen Bundesligasaison hatte der BVB auf dem Transfermarkt einige Spieler verpflichtet, die sich als Glückgriffe erweisen sollten, so zum Beispiel
Erwin Kostedde und Ente Lippens. Nach ihnen kam noch Manni Burgsmüller.
Im ersten Jahr der erneuten Bundesligazugehörigkeit, der Saison 1976/77, erreichte der BVB den sicheren achten Rang. Durch das neue Stadion kam es zu einem Zuschauerboom ohnegleichen. Über 40.000
Menschen wollten im Schnitt die Heimspiele der Borussia sehen. Nicht einmal Schalke (als Vizemeister in dieser Saison und einem Stadion, das über 15.000 Menschen mehr fasste als das Westfalenstadion) konnte an die Zuschauerzahlen der Borussia herankommen. Der Meister aus Mönchengladbach hatte sogar nur etwa halb so viele Zuschauer wie der BVB. Dadurch war der BVB nicht nur finanziell gesundet, sondern gehörte
zu den am besten situierten Bundesligisten.
Dermaßen gut aufgestellt ging es mit hohen Erwartungen in die Spielzeit 1977/1978, die mit einem enttäuschenden 11. Platz und dem blamablen 0:12 am letzten Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach endete. Mit der höchsten Niederlage der Bundesligageschichte endete auch die Ägide von Otto Rehhagel beim BVB, der letztendlich den Kopf für diese Niederlage hinhalten musste.
Die folgende Saison schloss man sportlich als Zwöfter ab. Wichtiger war jedoch in dieser Saison, dass im März 1979 der
Rechtsanwalt Reinhard Rauball Präsident der Borussia wurde, der den aufgrund fehlender Erfolge und ausbleibenden Zuschauern schlingernden BVB wieder in
ruhigere Fahrwasser brachte. Im Sommer gelang ein Coup, als der BVB als Trainer für die neue Saison Udo Lattek verpflichten konnte, der bis dahin beim Namensrivalen in Mönchengladbach tätig gewesen war.
1980 bis 1990 - Schulden, Talfahrt - Pokalsieger
In den 80er Jahren konnte der BVB nicht an die Erfolge der letzten Jahrzehnte anknüpfen. 1980 kam man bis ins Halbfinale
des DFB-Pokals, wo man gegen den späteren Sieger Fortuna Düsseldorf mit 1:3 verlor.
In der Saison 1980/81 verpasste man im letzten Saisonspiel die UEFA-Pokal-Qualifikation mit einem 0:3 gegen den direkten Konkurrenten Borussia Mönchengladbach. Der BVB wurde nur Siebter. Vor der Saison hatte man Rüdiger Abramczik vom Revierrivalen FC Schalke 04 verpflichtet. Gleichzeitg spielte erstmals ein Tüke für den BVB, den beim Publikum beliebte Erdal Keser. In der Saison kam mit Rolf Rüssmann ein weiterer Schalker zur Borussia. Udo Lattek jedoch verließ den BVB noch in der laufenden Saison in Richtung Barcelona.
Nach Lattek begann eine Phase ständiger Trainerwechsel, in den fünf Jahren zwischen Frühjahr 1981 und Frühjahr 1986 waren
zehn verschiedene Übungsleiter beim Verein tätig. Nach Lattek kam Branko Zebec vom Hamburger SV. Unter ihm verbesserte sich das Team vor allem in taktischer Hinsicht und wurde 1981/82 Sechster der Bundesliga. Dadurch qualifizierte sich die Borussia endlich wieder für den Europapokal. Branko Zebec musste den BVB trotz sportlichen Erfolgs aufgrund seiner augenscheinlichen Alkoholprobleme verlassen. In der Saison debütierte
der junge Michael Zorc, der zuvor Junioreneuropameister geworden war. Auf Zebec folgte Karl-Heinz Feldkamp. Zudem konnte der BVB einen Spielmacher verpflichten. Der aus Rumänien geflüchtete Marcel Raducanu schloss sich der Borussia nach Ablauf der üblichen Einjahressperre an. Dennoch erreichte man im folgenden Jahr nur den siebten
Platz. Im UEFA-Cup schied der BVB bereits in der ersten Runde gegen die Glasgow Rangers nach einem 0:0 und einem 0:2 in Glasgow aus. Nach der Saison trat zudem Reinhard Rauball als Prsäsident zurück.
Die Folge war eine sportliche Talfahrt, begleitet von finanziellen Eskapaden, die den Verein an den Rand der Zahlungsunfähigkkeit
brachten: Der Verein verschuldete sich mit über 8 Millionen DM. Infolgedessen ernannte das Amtsgericht Dortmund am 23. Oktober 1984 einen Notvorstand. Präsident wurde erneut Rauball, als Vizepräsident wurde ihm Gerd Niebaum zur Seite gestellt, der 1986 das Amt des Präsidenten übernahm. Sportlich blieb es jedoch problematisch. 1984/85 konnte man sich noch auf den 14. Platz retten, in der darauf folgenden Saison ging es jedoch in die Relegation. Gegen Fortuna Köln musste die Borussia drei Mal antreten. Das Hinspiel wurde 2:0 verloren. Im Rückspiel siegte man 3:1 und erwirkte so ein weiteres
Spiel. Das erforderliche dritte Spiel konnte Borussia Dortmund mit 8:0 im Düsseldorfer Rheinstadion für sich entscheiden und so einen zweiten Abstieg aus der Bundesliga nach 1972 verhindern. Mehr als 30.000 Borussen begleiteten
damals ihren Verein zu diesem Schicksalsspiel ins Rheinstadion.
Ende der 80er Jahre lief es wieder erfolgreicher. So wurden vor der Saison 1986/87 zwei Stürmer verpflichtet, die den BVB viele Tore bescheren sollten: Frank Mill und Norbert Dickel. Auch der spätere Nationalspieler Thomas Helmer kam zur Borussia. Am Ende erreichte man Platz 4 und somit die Teilnahme am UEFA-Pokal. In der neuen Saison 1987/88 kam man trotz anderer Erwartungen und der Verpflichtung von Murdo MacLeod von Celtic Glasgow nicht über einen enttäuschenden 13. Platz unter Trainer Reinhard Saftig hinaus. Im UEFA-Pokal kam man nach dem Ausschalten von Celtic Glasgow (1:2 und 2:0) und Velez Mostar (2:0 und 1:2) bis ins Achtelfinale, wo man nach einem begeisternden 3:0 zuhause mit 0:5 n.V.
beim FC Brügge ausschied.
Vor der Saison 1988/89 wurden das Frankfurter Talent Andreas Möller und der Münchener Michael Rummenigge verpflichtet. Im Trainingslager vor der Saison verließ Reinhard Saftig nach Streitigkeiten um den Mannschaftskapitän den Club. Ihm folgte Horst Köppel.
Im DFB-Pokal 1989 kam man nach Siegen gegen Eintracht Braunschweig, den FC Homburg, Schalke 04, den Karlsruher SC und den VfB Stuttgart ins Finale und besiegte dort Werder Bremen mit 4:1. Torschützen des Pokaltriumphes nach der Bremer Führung durch den späteren Borussen Karl-Heinz Riedle waren Norbert Dickel mit zwei Treffern, Frank Mill und Michael Lusch. Dieser erste Titel seit 23 Jahren und gleichzeitig der zweite DFB-Pokal-Sieg für den BVB war perfekt. Mehr als 40.000 BVB-Fans
begleiteten ihre Borussia nach Berlin ins mit 76.000 Zuschauern ausverkaufte Olympiastadion - noch nie zuvor wurde ein Deutscher Fußball-Verein bei einem Pokalfinale von derart vielen Fans unterstützt. Eine Viertelmillion
begeisterter Menschen empfing die Mannschaft am nächsten Tag in Dortmund. Besonders Pokalheld Norbert Dickel wurde gefeiert.
Vor Beginn der neuen Saison wurde dann auch noch der Supercup gegen den FC Bayern München in Kaiserslautern mit 4:3 gewonnen.
1990 bis 2000 – Goldene 90er, oder: Hitzfeld, der Meistermacher
Einst Kapitän, jetzt Manager:
Michael Zorc
Nach den mageren 80er Jahren waren die 90er Jahre für den BVB wieder ein insgesamt sehr erfolgreiches Jahrzehnt. Geprägt
wurden das Jahrzehnt vor allem durch die großen Spiele gegen Juventus Turin (UEFA-Cup 1992/1993 - Finale und 1994/1995 - Halbfinale, Champions League 1996/1997 - Finale) und die beiden Meisterschaften 1994/95
und 1995/96.
Zur Saison 1989/90 wurde Jürgen Wegmann erneut verpflichtet und man belegte am Ende einen guten vierten Platz. Im Pokal schied man jedoch enttäuschend in der ersten
Runde gegen Eintracht Braunschweig mit 2:3 aus, im Europapokal der Pokalsieger war Sampdoria Genua bereits in der zweiten Runde Endstation.
Vor der neuen Saison kam Flemming Povlsen für die damalige Rekordsumme von 4,1 Millionen DM aus Eindhoven zum BVB, dennoch belegte man nur einen enttäuschenden 10.
Platz. Köppel wurde daher durch den in Deutschland damals relativ unbekannten Ottmar Hitzfeld vom Grasshopper-Club Zürich ersetzt, was sich als echter Glücksgriff für die Borussia herausstellen sollte. Zudem wurde der beste Stürmer der Borussia
der 90er Jahre von Bayer Uerdingen verpflichtet: Stephane Chapuisat.
Schon in der ersten Saison unter Hitzfeld war man dem Erfolg sehr nahe, die Borussia spielte die erfolgreichste Saison seit Bestehen der Bundesliga.
Der mögliche Meistertitel wurde erst am letzten Spieltag verloren, Guido Buchwald machte mit dem Kopfballtreffer zum 2:1 bei Bayer Leverkusen vier Minuten vor Ende der Partie seinen VfB Stuttgart zum Meister. Bis dahin wäre der BVB aufgrund seiner 1:0-Führung vor etwa 20.000 mitgereisten Schlachtenbummlern beim MSV Duisburg Deutscher Meister gewesen, da der dritte Konkurrent Eintracht Frankfurt bei Hansa Rostock sein Spiel verlor. Dennoch empfingen 30.000 BVB-Fans am Folgetag die Mannschaft der Borussia am Dortmunder Rathaus. In den
Spielen kamen im Schnitt etwa 44.500 Zuschauer zu den Spielen des BVB, was einen neuen Rekord darstellte.
In der folgenden Saison verließ Thomas Helmer den BVB für 7,5 Mio. DM in Richtung München. Als Ersatz kam der erste Italienrückkehrer Stefan Reuter von Juventus Turin nach Dortmund. In der Winterpause konnte aufgrund der Einnahmen aus dem UEFA-Pokal zusätzlich der erst im Sommer zuvor von Stuttgart zu Inter Mailand gewechselte Matthias Sammer für 8,5 Mio. DM verpflichtet werden. Perspektivisch war dies der wichtigste Transfer der 90er Jahre des BVB. Am Ende reichte
es, auch aufgrund der UEFA-Pokal-Belastung, „nur“ zu einem vierten Platz in der Bundesliga. Im DFB-Pokal schied
man im Viertelfinale bei Werder Bremen mit 0:2 aus.
Richtig erfolgreich gestaltete sich die Teilnahme am UEFA-Pokal. Hier erreichte die Borussia nach Siegen gegen Floriana La Valetta, Celtic FC, Real Saragossa und den AS Rom zunächst das Halbfinale gegen AJ Auxerre. Hier kam es nach einem 2:0-Heimspielerfolg und einem 0:2 in Auxerre nach Verlängerung zum Elfmeterschiessen. So wurde das
Dortmunder Eigengewächs Stefan Klos im Tor zum „Helden“, indem er den letzten Elfmeter der Franzosen halten konnte. Die Borussia stand somit erstmals
nach 1966 wieder in einem europäischen Endspiel. Hier zeigte sich Juventus Turin aber (noch) als zu stark. Nach einem 1:3 vor heimischer Kulisse verlor man auch das Rückspiel in Turin mit 0:3. Juventus
trat im Übrigen mit den späteren Borussen Jürgen Kohler, Andreas Möller, Julio Cesar und Paulo Sousa an. Durch diese lange UEFA-Cup-Saison schwang sich der BVB aber dennoch aufgrund der hohen Fernsehgelder für die Übertragungen
zum finanzstärksten Verein der Liga auf.
Folgerichtig wurden gemäß dem Motto „Wir investieren in Steine und Beine“ (Zitat Gerd Niebaum) zur Saison 93/94 weitere Stars für die Borussia verpflichtet. Es kamen von Lazio Rom Kalle Riedle für 9,5 Mio. DM und vom Revierrivalen Schalke Steffen Freund. Dennoch verlief die Saison mit einem vierten Platz eher ernüchternd, hatte man doch - schon aufgrund der Verpflichtungen
- das Ziel Meisterschaft ausgegeben. Auch im Pokal schied man bereits in der zweiten Runde beim 1. FC Kaiserslautern aus. Nach der Saison mussten die verdienten älteren Spieler Michael Schulz und Frank Mill gehen.
Borussia aber blieb seinem Motto treu und investierte erneut stark in die Mannschaft. So kam der „verlorene Sohn“
Andreas Möller im Doppelpack mit Julio Cesar für zusammen 11,5 Mio. DM vom italienischen Spitzenclub Juventus Turin an den Borsigplatz. In einer spannenden Saison sicherte man sich den Titel vor Werder Bremen. Der erste Meistertitel des BVB nach 32 Jahren blieb nicht ohne Folgen: Unmittelbar nach Abpfiff des Spiels lagen sich die
Spieler und auch Trainer Ottmar Hitzfeld mit Tränen in den Augen in den Armen. Zehntausende Fans stürmten den Rasen und feierten ausgelassen die erste Meisterschaft
in der Bundesliga. Nach Polizeiangaben und seriösen Medien-Schätzungen feierten am Tag nach dem Titelgewinn rund um den Empfang
der Meistermannschaft am Dortmunder Rathaus mehr als 500.000 BVB-Fans den Deutschen Meister auf den Straßen und den Plätzen
Dortmunds.
Auch in der folgenden Saison 1995/96 behielt Borussia Dortmund die Oberhand. Zwar gab es Rückschläge durch viele Verletzungen, wie Kreuzbandrisse bei den beiden
Stürmern Stephane Chapuisat und Karlheinz Riedle, aber letztendlich holte sich der BVB 1996 die bis dahin fünfte Meisterschale bereits am 33. Spieltag durch ein 2:2 bei 1860 München. Von den Medien wurde der Begriff „Babysturm“ für die Vertreter der Verletzten, Lars Ricken und Ibrahim Tanko, geprägt.
In der folgenden Saison erreichte die Borussia trotz Mehrfachbelastung durch UEFA Champions League einen 3. Platz, der abermals zur Teilnahme an der Championsleague berechtigte. Auf europäischer Bühne waren die Borussen
überaus erfolgreich: 1997 erreichte man das Finale der UEFA Champions League. Im Spiel gegen Juventus Turin konnte man sich durch ein 3:1 (Tore: Karlheinz Riedle (2), Lars Ricken) die begehrte Trophäe sichern. 25.000 BVB-Fans waren bei diesem Finale im ausverkauften Münchener Olympiastadion zugegen. Im Dezember 1997 gewann man auch den Weltpokal durch ein 2:0 (Tore: Michael Zorc, Heiko Herrlich) gegen Cruzeiro Belo Horizonte in Tokyo.
Nach den großen Erfolgen kam aber der Umbruch. Der langjährige Trainer Ottmar Hitzfeld legte sein Traineramt nach der Saison nieder und begann seine Arbeit als Sportdirektor beim BVB. Seine Nachfolge trat der deutsch sprechende Italiener Nevio Scala an, der zuvor mit dem AC Parma erfolgreich war. Gleichzeitig verließen auch verdiente Spieler den Club, so ging u.a. Karlheinz Riedle zum FC Liverpool. In der neuen Saison unter Scala erreichte die Borussia lediglich einen enttäuschenden 10. Platz in der Bundesliga. In der UEFA Champions League gelang der BVB der Einzug ins Halbfinale. Hier schied man nach einem 0:0 zuhause in Madrid mit 0:2 gegen Real Madrid aus. Legendär ist dieses Spiel wegen des „Torfalles von Madrid“, als ein Tor abbrach und das Spiel für eine Stunde
unterbrochen werden musste, bis Real Madrid ein Ersatztor von einem Trainingsplatz besorgt hatte. Im Pokal schied man blamabel bei Eintracht Trier mit 1:2 im Achtelfinale aus.
Scala verließ aufgrund der Misserfolge den Club vorzeitig, zudem wechselte Sportdirektor Hitzfeld auf die Trainerbank des
FC Bayern. Als Ersatz übernahm der bis dahin als Jugendtrainer, Trainer der Amateure und Jugendkoordinator beim BVB tätige Michael Skibbe überraschend den Cheftrainerposten zur Saison 98/99 bei der Borussia. Gleichzeitig wurde noch einmal in die Mannschaft investiert und es kamen u.a. der deutsche Nationalspieler
und Fußballweltmeister Thomas Häßler, dazu Miroslav Stevic und Bachirou Salou. Skibbe führte die Mannschaft auf einen respektablen vierten Platz, welcher zur Teilnahme an der UEFA Championsleague-Qualifikation
berechtige. Im Pokal schied man beim VfB Stuttgart mit 1:3 im Achtelfinale aus.
In dieser Zeit wurden bei der Borussia vermehrt unglückliche Transfers durchgeführt. Häßler und Salou verließen den Club
nach nur einem Jahr, und auch die im Sommer 1999 als große Hoffnungsträger verpflichteten Victor Ikpeba (kam für 12 Mio. DM vom AS Monaco) und Fredi Bobic (kam für 11 Mio. DM vom VfB Stuttgart) erwiesen sich nicht als die erhoffte Verstärkung. Nach einer Niederlage im ersten Spiel nach der Winterpause wurde Michael Skibbe beurlaubt und durch den ehemaligen Borussen Bernd Krauss ersetzt. Dieser konnte in elf Spielen keinen Sieg einfahren und wurde nach nur zwei Monaten wieder entlassen. Der Verein
schwebte in höchster Abstiegsgefahr, so dass das Trainer-Urgestein Udo Lattek für seine letzte Station im Profi-Fußball reaktiviert wurde. Ihm zur Seite stand Matthias Sammer als Co-Trainer. Dieser hatte nach einer Infektion im Kniegelenk 1998 seine Karriere beim BVB als Spieler beenden müssen.
Beide führten den BVB auf einen abschließenden Platz 11 in der Fußball-Bundesliga 1999/2000 noch vorm Rivalen Schalke, der nur 13. wurde.
2000 - 2005 - Börsengang, Meisterschaft und wirtschaftliche Krise
Im Jahr 2000 gab es in Dortmund einen weiteren Umbruch. Am 28. November 1999 beschloss die Mitgliederversammlung die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung in die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA. Als erster Fußballbundesligist
ging Borussia Dortmund dann am 31. Oktober 2000 an die Börse. Der Ausgabekurs der BVB-Aktie lag seinerzeit bei 11 Euro. Man platzierte 13,5 Millionen Aktien an der Börse,
die einen Emissionserlös von 165 Millionen Euro brachten.
Auf sportlicher Ebene versuchte man mit dem jungen Trainer Matthias Sammer einen Aufschwung zu bewirken. Es kam in der Winterpause der Saison 2000/01 Tomáš Rosický zum BVB, zuvor hatte man bereits Otto Addo verpflichtet. Überraschend wurde diese „neue“ Mannschaft unter Sammer direkt Dritter der Bundesliga.
Nach dieser Saison sollte der BVB aufgrund der Emmissionserlöse ein wahres Transferfeuerwerk abgeben. So kamen zur neuen
Saison Rosickýs tschechischer Landsmann Jan Koller für 12 Mio. Euro vom RSC Anderlecht sowie Marcio Amoroso für 25 Mio. Euro vom AC Parma. Verschleiert wurde die Höhe der Transfersumme durch einen angeblichen Verkauf von Evanilson nach Parma; jener wurde jedoch seitens der Borussia umgehend wieder ausgeliehen. Während der Saison kam dann noch Ewerthon vom Sport Club Corinthians Paulista.
Diese Investitionen führten dazu, dass der BVB wieder um die Meisterschaft mitspielte. Im Jahr 2002 schien das Kopf-an-Kopf-Duell bereits zu Gunsten von Bayer Leverkusen entschieden zu sein, denn Bayer führte drei Spieltag vor Ende der Spielzeit bereits mit fünf Punkten die Tabelle an. Nach
Bayers Heimniederlage gegen Werder Bremen bei einem gleichzeitigen Sieg der Borussia gegen Köln - Amoroso verwandelte in der 89. Minute einen umstrittenen Elfmeter - war der Vorsprung jedoch auf zwei Punkte geschmolzen.
Und als der BVB durch ein 4:3 in der AOL-Arena gegen den HSV bei einer gleichzeitigen 0:1-Niederlage der Leverkusener in Nürnberg die Tabellenführung übernahm, war die Überraschung greifbar nahe. Am letzten Spieltag gelang dem BVB dann nach einem 0:1-Rückstand
noch ein 2:1 gegen Werder Bremen, was die insgesamt sechste deutsche Meisterschaft bedeutete. In derselben Saison erreichte der BVB auch das UEFA-Pokal-Finale,
wo man Feyenoord Rotterdam knapp mit 2:3 unterlag. Zuvor wurde durch eine Galavorstellung der AC Mailand mit 4:0 im Hinspiel des Halbfinals in Dortmund ausgeschaltet.
Schuld an der Finanzkrise?:
Michael Meier
Erneut wurde investiert und von Werder Bremen kam für 9 Mio. Euro Torsten Frings. Die Jahre nach 2002 gestalteten sich jedoch weit weniger erfolgreich. In der Champions League war 2003 bereits nach der Zwischenrunde Endstation, und auch in der Liga erreichte man nur einen dritten Platz. In der folgenden Champions-League-Qualifikation
schied man zudem gegen den FC Brügge im Elfmeterschiessen aus, und erreichte damit „nur“ den UEFA-Pokal. Dort war bereits in der zweiten Runde der
FC Sochaux zu stark für die Schwarzgelben. In der Saison 2003/04 versäumte der Verein sogar eine Qualifikation für den UEFA-Pokal und
wurde nur enttäuschender Sechster. Auch im DFB-Pokal schied man seitdem regelmäßig früh aus, zumeist gegen unterklassige Vereine.
Durch die letzten Misserfolge litt der Verein unter erheblichen finanziellen Lasten. Allein im Geschäftsjahr 2003/04
erwirtschaftete die KGaA ein Minus von über 60 Millionen Euro, der Schuldenstand erhöhte sich auf über 118 Millionen Euro.
Infolgedessen sah sich die KGaA gezwungen, teure Spieler (darunter auch Leistungsträger wie Torsten Frings) abzugeben. Kritiker werfen der Vereinsführung unprofessionelles Handeln vor; der Verein habe sowohl Millionen aus dem Börsengang
als auch die Einnahmen aus dem Verkauf des Westfalenstadions „vernichtet“.
Die Notierung der BVB-Aktie lag mittlerweile weit unter dem Ausgabekurs. Die Krise führte zum Abtritt der Verantwortlichen um den langjährigen
Präsidenten Gerd Niebaum und den ebenfalls seit über zehn Jahren amtierenden Manager Michael Meier. Am Ende der turbulenten Saison 2004/2005 zog der BVB mit dem 7. Platz und 55 Punkten in den UI-Cup ein. Nach einer sportlich beängstigend schwachen Hinrunde absolvierte die Mannschaft dabei die erfolgreichste Rückrunde in
der Bundesligageschichte des Vereins.
Ab 2005 - Finanzieller und sportlicher Neuanfang
Der wichtigste Einschnitt bei der Borussia erfolgte auf der Funktionärsebene mit dem Rücktritt von Gerd Niebaum als Präsident am 14. November 2004 und aus der Geschäftsführung der KGaA am 9. Februar 2005. Niebaum hatte den unglaublichen
Schuldenberg in Höhe von 98 Mio. Euro gemeinsam mit Michael Meier in einer Pressekonferenz tränenreich darstellen und zugeben müssen, dass der Fortbestand von Borussia Dortmund ernsthaft
gefährdet ist. Auch Meier wurde nach Auslaufen seines Vertrages am 30. Juni 2005 nicht mehr weiter beschäftigt. Die Nachfolge
traten Reinhard Rauball als Präsident und Aki Watzke als Geschäftsführer an.
Das sportliche Konzept der neuen Führung
Sportlich präsentierte sich der Ballspielverein in der Bundesliga mit einem neuen Konzept. Ewerthon wechselte als einer der letzten Großverdiener nach Spanien, und auch Evanilson verließ die Borussia; mit Philipp Degen und Delron Buckley wurde für eher „kleines Geld“ Ersatz verpflichtet. Daneben versuchte man, mit selbst ausgebildeten Nachwuchskräften
wie Florian Kringe, Marc-Andre Kruska, Nuri Sahin, Markus Brzenska, Uwe Hünemeier oder David Odonkor die Substanz des Vereins zu erhalten, und gewann so Sympathien in Deutschland. Zwar scheiterte der BVB im UI-Cup am tschechischen
Vertreter Sigma Olomouc und im DFB-Pokal beim Zweitligisten Eintracht Braunschweig, allerdings erreichte man in der Liga einen zufriedenstellenden siebten Tabellenplatz.
Nach der Saison verließen Jan Koller (nach AS Monaco) und Tomas Rosicky (zum FC Arsenal) die Borussia. Durch diese Transfereinahmen war es dem BVB möglich, das Team zur Saison 06/07 neu aufzustellen. So wurden Nelson Valdez von Werder Bremen, Steven Pienaar von Ajax Amsterdam und Alexander Frei von Stade Rennes verpflichtet. Später stieß noch der Brasilianer Tinga vom Sport Club Internacional hinzu. Damit dürften sich unter Berücksichtigung der bestehenden Struktur des Teams für Borussia Dortmund in den kommenden
Spielzeiten sportlich neue Perspektiven eröffnen. Der Vertrag mit Trainer Bert van Marwijk, der als einer der vehementesten Vertreter der neuen Strategie des Vereins gilt, wurde vor Beginn der Saison 2006/07 bis
zum 30. Juni 2008 verlängert.
Die finanziellen Entwicklungen im Verein
Ein wichtiger Schritt in den Sanierungsplänen der neuen Führung war die Veräußerung der Namensrechte am Westfalenstadion an die Signal-Iduna-Versicherungsgruppe. Das Stadion heißt seit November 2005 entsprechend Signal-Iduna-Park. Im Mai 2006 gab Borussia Dortmund zudem bekannt, dass das Stadion zu einem Kaufpreis von 57,2 Mio. Euro zurückgekauft und
von der US-Investmentbank Morgan Stanley fremdfinanziert wird. Der BVB verspricht sich durch den Rückkauf eine jährliche Entlastung von vier bis fünf Millionen Euro.
Daneben kündigte der BVB eine Kapitalerhöhung um 29,25 Mio. Euro an, durch die es zu einem Schuldenabbau kommen soll.
Am 15. August 2006 beschloss die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA eine weitere Kapitalerhöhung. Diese dient vornehmlich
dazu, Altverbindlichkeiten der KGaA von bis zu 27,8 Mio. Euro in maximal 12.307.600 neue Aktien umzuwandeln, die von der Investmentbank
Morgan Stanley zum Kaufpreis von 2,20 Euro pro Stück übernommen werden. Dadurch betragen die Verbindlichkeiten der BVB KGaA nunmehr noch
151,835 Mio. Euro, wovon alleine 124 Mio. Euro auf das Stadion entfallen. Die Nettoverbindlichkeiten der KGaA belaufen sich
somit „nur“ noch auf 27 Mio. Euro. Gleichzeitig steigt die Eigenkapitalquote der KGaA von 20,7 % auf 34,5 %. Dies
stellt die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA wieder auf sehr solide Füße.
Seit Beginn der Saison 2006/07 ist zudem die RAG Trikotsponsor des BVB. Der Vertrag sichert dem BVB geschätzte 7 Mio. Euro pro Jahr zu. Nach Angaben der WAZ von Okt. 2006
jedoch 12 Mio. p.A. Die Vertragslaufzeit beträgt zunächst zwei Jahre. Die RAG wird ihr Logo aber erst im Herbst 2006 auf den Trikots der Borussen präsentieren. Bis dahin ziert ein vom Künstler Otmar Alt gestaltetes Ausrufezeichen auf grünem Hintergrund die Brust des neuen gelbweiß gestreiften Hemdes.
Die vorgenannte erste Kapitalerhöhung, die Sponsoren-Abschlüsse mit der RAG und Signal Iduna AG und vor allem der Rückkauf
des Stadions haben Borussias Gesundung vorangetrieben. Aus dem ehemaligen „Schuldenfall Borussia“ könnte
innerhalb zweier Jahre wieder ein gesunder und potenter Bundesligaverein werde, welcher sportlich ambitioniert aufgestellt
ist.
Börsendaten
Insgesamt gibt es 43.88 Millionen Aktien von Borussia Dortmund
Der Wert des BVB betrug am 14. Oktober 2006 rund 105 Millionen Euro
Spieler und Trainer
Bundesligakader 2006/2007
Kapitän der Borussia:
Christian Wörns
| Name, Vorname |
Rückennummer |
Nationalität |
| Torwart |
| Meier, Bernd |
20 |
 |
| Pirson, Sören |
34 |
 |
| Weidenfeller, Roman |
1 |
 |
| Abwehr |
| Amedick, Martin° |
2 |
 |
| Brzenska, Markus |
3 |
 |
| Dedé |
17 |
 |
| Degen, Philipp |
23 |
 |
| Hillenbrand, Nico |
38 |
 |
| Hünemeier, Uwe |
27 |
 |
| Metzelder, Christoph |
21 |
 |
| Vrzogić, David |
33 |
 |
| Wörns, Christian |
4 |
 |
| Mittelfeld |
| Kehl, Sebastian |
5 |
 |
| Kringe, Florian |
6 |
 |
| Kruska, Marc-André |
22 |
 |
| Pienaar, Steven° |
10 |
 |
| Ricken, Lars |
18 |
 |
| Şahin, Nuri |
25 |
 |
| Tinga° |
7 |
 |
| Tyrala, Sebastian |
28 |
 |
| Angriff |
| Amachaibou, Abdenour |
36 |
 |
| Amoah, Matthew |
8 |
 |
| Frei, Alexander° |
13 |
 |
| Saka, Kosi |
16 |
 |
| Smolarek, Ebi |
14 |
 |
| Valdez, Nelson° |
9 |
 |